Von den Rändern der Viennale

Vom 25. Oktober bis 7. November findet das vielleicht schönste Filmfestival im deutschsprachigen Raum statt. Auf der Viennale kann man erleben, was es heißt, wenn das Festival in der ganzen Innenstadt spielt, in den wunderschönen Kinos der Stadt, die alt sind und nicht renoviert, in Sälen mit über 700 Sitzplätzen und haushohen Leinwänden oder intim und holzvertäfelt: kein Multiplex weit und breit, und doch alles einen Steinwurf voneinander entfernt. Als leicht morbide Kulisse setzt sich Wien dabei gekonnt in Szene, um die alljährliche Herbststimmung zu komplettieren. Dieses Jahr feiert die Viennale ihr 50. Jubiläum. Begonnen hat sie übrigens unpassenderweise als «Festival der Heiterkeit». Komödien standen im Zentrum des Filmprogramms, um den „Vorwürfen einer pro-kommunistischen Agitation zu entgehen“, wie es auf der Jubiläumsseite des Festivals heißt. Ab 1968 bis Ende der 80er Jahre entwickelte sich die Viennale zur Gussform, in der man sie heute noch kennt: mit einem anspruchvollen Filmangebot fürs Publikum aus einer Mischung aus Filmavantgarde und Arthouse, integriert in das Programm des Österreichischen Filmmuseums.
Für alle, die es nicht wissen: Werner Herzog war kurze Zeit Leiter der Viennale, nach ihm kamen Wolfgang Ainberger und Alexander Horwath, heute Leiter des Österreichischen Filmmuseums. Hans Hurch, dem immer wieder nachgesagt wird, dass er irgendwann als Kulturminister in die österreichische Politik gehen wird (ein Gerücht, dass sich trotz mannigfachiger Vertragsverlängerungen hartnäckig hält) ist  seit 1997 Festivaldirektor. Sein „Bobo-Bashing“ hat Legende geschrieben („Man darf denen diesen hedonistischen, halbkritischen Genuss nicht durchgehen lassen.“). Dennoch lässt er es sich nehmen, den bourgeoisen Bohèmes immer wieder französische Filme zu servieren, die durchaus schön anzusehen sind.

Mal sehen, ob es auch im 50. Jahr derart kraftvolle Zitate aufzuschnappen sind: von den Rändern der Viennale wird dieser Blog berichten.

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