Diagonale 2013 Tag 4

Letzte Runde

Noch zwei Filme bis zur Preisverleihung, und auch wenn es immer noch kalt ist, hat immerhin die Sonne ein Einsehen, Graz kann so schön sein.

11 Uhr, auch am Samstag, grosser Andrang vor dem Kino bei „Elektro Moskva“ von Elena Tikhonova und Dominik Spritzendorfler. Der Dokumentarfilm besticht auf der ganzen Linie, er beginnt mit Archivmaterial aus den Anfängen der Sowjetunion, und der Gleichung: der Geist des Kommunismus plus Elektrizität, ergibt einen materialisierten Geist des Kommunismus. Gleich zu Anfang interessante Monatge aus -aktuellen- Stromleitungen, und Archivbildern. Flüssig und originell sowohl der Verlauf der Geschichte, in der auch Interview Passagen, mit zum Beispiel dem Physiker Termen, enthalten sind, flüssig und spannend auch der Schnitt von Michael Palm. Erzählt wird in einem dreischichtigen Erzählbogen : Archivsequenzen, Pioniere der modernen Sowjetischen/Russischen elektronischen Musik, allesamt besessene Sammler alter Synthesizer und Bastelfreaks, und in der dritten Ebenen einer Off-Stimme, die einen Metakommentar liefert. Auch wenn man sich für elektronische Musik nicht interessiert ist der Film spannend und unterhaltsam.

Auch wenn Graz eher klein ist, kann es einen doch treffen die beiden am weitesten auseinanderliegenden Kinos hintereinander besuchen zu müssen, da ist dann schnelles Gehen gefragt, damit man die reservierte Karte auch wirklich bekommt.

Der 132 Minuten lange Film „1+8“ von Angelika Brudniak und Cynthia Madansky war diese Anstrengung definitiv nicht wert, gefühlte 129 Minuten den Impuls unterdrückend das Kino wieder zu verlassen, und auch diese Anstrengung wurde wirklich nicht belohnt. Eine Reise zu acht Grenzorten der Türkei, abgelegene, ärmliche Dörfer allesamt, diesseits und jenseits der Grenze gar nicht so unterschiedlich, nichts was man nicht mit einem Blick auf eine Karte und mit ein bisschen Nachdenken auch verstanden hätte. Quälend die schlechte Bildqualität auf der Leinwand, Bildartefakte von,vermutlich,falsch konvertiertem Material, das ist ärgerlich. Auch nicht nachvollziehbar, die Passagen gänzlich ohne Atmo, auch hier hat man eher den Eindruck eines Fehlers als einer künstlerischen oder dramaturgischen Idee. Insgesamt sehr schade, denn das Thema ist interessant.

Preisregen

In einer launigen Zeremonie vergaben die Jurys diesmal insgesamt 18 Preise.Mit insgesamt 4 Preisen zählt „Fahrtwind- Aufzeichnungen einer Reisenden“ von Bernadette Weigel zu den grossen Abräumern, nicht nur den Grossen Diagonale Preis Dokumentarfilm sondern für Bernadette Weigel auch den Kamerapreis; interessant dass es sich dabei nicht nur um einen Film der Wiener Filmakademie handelt, sondern auch um einen auf 8mm gedrehte Film. Leider war dieser Film nicht auf meinem Programm, bleibt ihm zu wünschen, dass der Preisregen ihm eine Kinoauswertung beschert.

AUT, Diagonale Preisverleihung 2013AUT, Diagonale Preisverleihung 2013

Sehr in Ordnung gingen auch die beiden Schauspielpreise , für Johanna Orsini-Rosenberg in „Soldate Jeannette“ und Johannes Nussbaum für seine Rolle in Peter Kerns „ Diamantenfieber“.

Der schon mit anderen Preisen ausgezeichnete Film „Der Glanz des Tages“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel erhielt den Grossen Diagonale Preis Spielfilm.

Bemerkenswert, dass auch zur Preisverleihung weit und breit nichts von der für Film zuständigen Kulturministerin zu sehen war, zur Oscarverleihung nach Los Angeles hatte sie sehr wohl geschafft; das wirft ein hässliches Bild auf den Stellenwert, den die Politik dem Österreichische Film im eigenen Land einzuräumen bereit ist.

Mit einer Party endet dann eine insgesamt eher ruhige Diagonale.

Alle Preisträgerfilme könne auf der Homepage nachgelesen werden:

http://www.diagonale.at

Die Diagonale 2014 findet vom 18.-23. März statt.

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