Diagonale_ 4 Gute Zeichen, schlechte Zeichen

(c) ch.dériaz

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Nach 1202 im Kino verbrachten Minuten – Wartezeit und einführende Worte nicht mitgerechnet – darf man gespannt auf die Jury Entscheidungen sein.

Davor gilt es aber eine, eher holprige, Verleihzeremonie auszusitzen. Ein Moderator, der sich launig gibt, aber hölzern, unsicher und fahrig wirkt, zur Auflockerung, ein Schauspieler Duo, dass Ausschnitte aus Drehbüchern der letzten Jahrzehnte, bar jeder Spielfreude, vorliest… Und die Festivalleiterin Barbara Pichler, deren Schlussrede nur ein, verdienter, Dank an ihr Team war, bevor sie die Bühne verlässt und die Gäste das Buffet stürmen durften. Natürlich, Graz ist nicht Hollywood, und kein Mensch braucht Pomp und einen roten Teppich, aber vielleicht sollte man dann lieber ganz auf schicken Schnickschnack verzichten, und eine eher „hemdsärmelige“ Variante wählen.

Sei es wie es ist, das Wichtigste sind die Preise, nachvollziehbare und nicht nachvollziehbare Jury Entscheidungen, wie das eben so ist, bei Festivals.

Ein gutes Zeichen setzte die Jury mit dem grossen Diagonale Preis an Houchang Allahyari für „Der letzet Tanz“ , besonders schön ist das, wenn man weiss, dass der Regisseur mehrere Jahre an Überzeugungsarbeit brauchte, um diesen Film machen zu können; immer wieder wurde sein Buch abgelehnt, mit der Begrünung niemand wolle im Kino eine Liebesgeschichte zwischen einer alten Frau und einem jungen Mann sehen. Dieselbe „alte“ Dame, Erni Mangold wurde, hochverdient, als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Hoffentlich bewirken die beiden Preise, dass der Film jetzt auch in die Kinos kommt.

Unverständlich dagegen der grosse Diagonale Preis Dokumentarfilm für „Those who go Those who stay“ von Ruth Beckermann.

Joerg Burger und Attila Boa erhalten den Kamerapreis für ihre sehr gute Arbeit am Dokumentarfilm „Das grosse Museum“ , dass Dieter Pichler für diesen Film den Schnittpreis bekommt, ist weniger erfreulich, zu oft lässt er Bilder nicht zu Ende „atmen“, was einfach schade ist und den Rhythmus stört.

Mit der Begründung, sie liesse den Bildern Zeit zu atmen, vergab die Spielfilm Jury den Schnittpreis an Karina Ressler für „Oktober November“ .

Eine Liste aller Preisträger gibt es auf der Webseite des Festivals :

www.diagonale.at/festival/preise

Zu filmpolitischen Aufrufen nutzen fast alle Preisträger die Veranstaltung, den Aufruf an die Politik und an den ORF, die Unterstützung der Filmindustrie nicht aufzukündigen, sondern eine verlässliche Regelung zur Finanzierung zu schaffen. Die enormen Kürzungen durch das Wegfallen des Film-Fernsehabkommens sind eine grosse Gefahr für die österreichischen Filmschaffenden, nicht nur künstlerisch, sondern durchaus auch wirtschaftlich. Auch der „normale“, nicht filmschaffende, Zuschauer, sollte bedenken, dass, was auf der Leinwand, im Fernsehen, so leicht und unterhaltsam aussieht, eine Menge Arbeit, einer grossen Anzahl, spezialisierter, gut ausgebildeter, Kollegen ist, für die der Film zuerst ein Broterwerb ist.

Der leichte Zuschaueranstieg gegenüber dem Vorjahr zeigt, dass österreichische Filme ein Publikum ansprechen, bleibt zu hoffen, dass für die Ausgabe 2015, vom 17.-22. März, interessante, schöne und gewagte Filme produziert werden (können).

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