Diagonale 2015_ 1

Die Eröffnung

Zum letzten Mal eröffnete Barbara Pichler die Diagonale, weniger aufrüttelnd, weniger kämpferisch fiel ihre Rede dieses Jahr aus, auch wenn sie wieder betonte wie wichtig Kunst und Kultur in der Gesellschaft sind, und wieder hervorhob, dass sparen im Bereich der Kultur nur schaden kann. Spannende und auch verstörende Filme hat sie versprochen, am Ende dieser Woche wird sich zeigen, in wie weit das eingelöst wurde.

Der Eröffnungflm „Superwelt“ von Karl Markovics ist weder das eine noch das andere. Vielleicht ist über den – scheinbaren – Inhalt des Films im Vorfeld zuviel berichtet worden, so dass man der Verwirrung, in der sich die Figur der Kassiererin Gabi befindet, nicht neugierig genug folgt; vielleicht ist der Film auch nur zu lang, vielleicht ist er aber auch einfach nicht gelungen. Dabei hat er wunderbare Schauspieler, allen voran Ulrike Beimpold, eine sehr schöne Kamera, Michael Bindlechner, und auch einige schöne, interessante, ja selbst originelle Ideen, aber die Summe all dieser guten Einzelteile ergeben trotzdem keinen guten, keinen überzeugenden Film. Dieser Tenor war beim anschliessenden Fest bei Würstchen und Rührei immer wieder zu hören.

(C) chderiaz

(C) chderiaz

Tag_1 Böse Buben

Schade wenn gleich der allererste Film am Morgen eine Enttäuschung ist, Eva Testors „Lichttage Lichtnächte – Christian Berger im Film“ lässt einen faszinierenden, mehrfach ausgezeichneten, seiner Arbeit verschriebenen Kameramann vom Licht reden. Er tut das auf spannende Weise, man hört ihm gerne zu, erfährt Dinge, die man nicht wusste, aber…. wie kann man eine solche Kamera Koryphäe in so schlampigen Bildern portraitieren? Ein flaches, flaues Bild, unruhig, uninspiriert, muffiger Ton, langweilig geschnitten, so schade ist das! Weil zu sagen hat Christian Berger viel über sein Handwerkszeug, man muss nur zuhören – wollen. Aber nach 49 Minuten ist dann auch dieser Film ausgestanden, und der zweite Film des Programms ist einfach eine grosse Freude. „Ulrich Seidl – A Director at Work“ von Constantin Wulff. Interviews, Drehbeobachtung bei Seidls „Im Keller“, Theaterarbeit und immer wieder Ausschnitte aus Seidl Filmen ergeben eine dramaturgische Dichte, bei der sich Seidl, fast wie die Protagonisten in seinen Filmen, selbst enthüllt. Sehr spannend ist das und sehr schön von Johannes Hammel gedreht und von Dieter Pichler mit viel Gefühl und Witz geschnitten.

Ein sicheres Highlight sind Filme von Mara Mattuschka; immer ein Gesamtkunstwerk aus Bewegung, tanzender, schwebender Kamera, fliesendem Schnitt und einer Ton und Musikkollage. Ihr neuer Film „Stimmen“ hat all diese Komponenten, leider hat er auch fast geschwätzige Dialoge, wo sonst mit Worten als Geräusch gespielt wurde, leider hat er eine Geschichte von Sein und Schein, die, warum auch immer, erklärt wird, und leider ist er dann mit 2 Stunden auch definitiv zu lang. Die Kompromisslosigkeit, die sonst die Stärke von Mattuschkas Arbeiten ist, wurde hier einer Art „Massentauglichkeit“ geopfert.

Definitiv nicht massentauglich ist Ludwig Wüsts Film „(Ohne Titel)“, bewusst unscharfe, verschwommene Bilder, Einstellungen die nicht Enden wollen und eine „Geschichte“- Sexuelle Gewalt und Rache – die man, ohne den Hinweis aus dem Katalog, vermutlich nie verstehen würde. Das ganze in der Kategorie Spielfilm, nicht etwa Experimentalfilm, wo der Film sicher eher zu Hause wäre. Zugegeben, die unscharfen Bilder haben eine komponierte Rhythmik, zugegeben es gibt eine erkennbare Logik wann Bilder scharf oder unscharf sind, aber insgesamt ist der Film einfach ein ziemlich lähmendes Experiment, das dennoch einer ganzen Reihe Zuschauer gefallen hat.

(C) chderiaz

(C) chderiaz

Gleich am ersten Abend läuft der neue Film des „enfant terrible“ Peter Kern „Der letzte Sommer der Reichen“, ein fast opulenter Film, wunderbar ausgestattet, schön von Peter Roehsler photographiert, und alles drin was einen Kern Film sehenswert macht : Leidenschaft, Liebe, Blut, Sex und Kirche, daraus wird in diesem Fall eine Art Krimi mit kritischen Hieben gegen Macht, Geld und Korruption, mit einer, lesbischen, Liebesbeziehung und als Sahnehaube einer doppelten Drehung am Schluss, die natürlich nicht verraten wird.

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