Premiere im Babylon Mitte!

Lachen als Abwehrzauber, kristallene Gedanken: Heute hat „Hitlers Hollywood“ Premiere – Springtime_with_Hitler_01; 22.02.17

Kaum zu glauben, aber heute geht es tatsächlich los! Von mir und allen Beteiligten lang erwartet, unerwartet verzögert und dann doch alles in allem ziemlich schnell hat mein zweiter Dokumentar-Film, „Hitlers Hollywood“ an diesem Mittwoch Premiere. Der „Farbfilm Verleih“ bringt ihn mit der doch beachtlichen Zahl von 20 Kopien und auch sonst überaus engagiert in die Kinos – und das obwohl das Medienboard Berlin-Brandenburg, das den Film in der Produktionsphase noch gefördert hatte, jetzt bei der Verleihförderung überraschend gekniffen hat.

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Aber heute ist kein Tag zum Meckern. Premiere ist im „Babylon Mitte“ – kein schlechter Ort gerade für diesen Film. Denn auch, wenn dieses Kino in der Berliner Kinoszene nicht unumstritten ist, arbeiten hier viele engagierte Leute. Die Lage am Rosa-Luxemburg-Platz gegenüber der Volksbühne ist prächtig, und vor allem stammt der Bau von keinem anderen, als Hans Poelzig. Dies war ein Ort der Moderne und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Es ist sogar die Weltpremiere – auch wenn es nicht ganz so aussieht, wie man sich das vielleicht vorstellt, bin ich zufrieden.

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Am Abend kamen dann über 300 Freunde, Bekannte und zahlende Gäste. Kurz davor hatte mich noch Knut Elstermann getroffen und für seine Sendung „12 Uhr mittags“ interviewt. Hier der Link.

Zum ersten Mal mit Publikum also. Ob ich aufgeregt sei, werde ich gefragt. Eigentlich nicht, alles andere wäre gelogen. Als wir den Film im Sommer zum ersten Mal zur Abnahme gezeigt haben, war ich aufgeregter. Beim zweiten Mal ging es dann schon.

Ich bin eher gespannt, wie das wohl funktionieren mag, was ich mir so gedacht habe, was es so für Kritikpunkte geben wird. Ob dort die Wirkung einsetzt wo ich es mir erhoffe. Ob ich in den Augen des Publikums bei diesem komplizierten Thema zu weit gehe. Oder nicht weit genug.

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Im Saal während der Vorstellung reagiert das Publikum dann schön. Die Leute gehen mit, trauen sich zu lachen – und sei es auch nur aus Sarkasmus. Lachen als Abwehrzauber, warum nicht?

Der Altersschnitt des Publikums ist hier jünger, als ich es für die nächsten Tage erwarte. Auf einige Reaktionen sehr bestimmter Menschen bin ich besonders gespannt. Nicht nur ästhetisch, auch politisch und moralisch ist dieser Film eine Gradwanderung.

Am Ende gibt es dann Applaus, der nicht nur respektvoll ist. Schon in den Abspann hinein.

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Den Abend moderierte Toby Ashraf so professionell, wie charmant. Ähnlich wie ich selbst macht Toby alle möglichen, nur scheinbar unvereinbaren Dinge. Er ist Filmkritiker, macht ein eigenes Festival, und hat schon bei ziemlich vielen guten Filmen in unterschiedlichster Funktion mitgearbeitet.

Auf der Bühne stelle ich einige enge Mitarbeiter vor. Von Martina, meiner Lebensgefährtin und Produzentin mal ganz abgesehen, sind es vor allem Sarah Schmidt, die als Producerin und Rechercheurin zu Recht zwei Credits im Abspann bekam, und Ursula Pürrer, die diesmal für die Montage verantwortlich war. Im Publikum sitzt auch Katja Dringenberg, die seinerzeit „Von Caligari zu Hitler“ geschnitten hatte. Sie hatte mir für „Hitlers Hollywood“ abgesagt, wegen eines anderen Schnitt-Jobs, und wohl doch auch ein bisschen, weil sie sich einen ähnlichen Essay-Film über das NS-Kino nicht so recht hatte vorstellen können. Mein Fehler. Ursulas Glück.

Zu den unverzichtbaren und sehr angenehmen Komplizen, die bei diesem Film zum rechten Zeitpunkt an der rechten Stelle waren, gehört auch Lorenz Dangel, der eine exzellente Filmmusik geschrieben hat, deren Hauptthema genau die Mitte zwischen Hoffnung und Tragik, Drama und Kitsch, Sehnsucht und Melancholie trifft, die diesem Film hilft, weil sie dem Publikum signalisiert, dass weder Didaktik noch Revisionismus drohen.

Des weiteren Karin Meissner, die eine tolle Sprachregisseurin war. Sie musste vor allem mich dirigieren und in bewährter Manier mit sanften Korrekturen durch die langen Textpassagen führen. Dass das nicht selbstverständlich ist, und weniger mit Professionalität, als mit menschlichem Taktgefühl zu tun hat, zeigt vor allem der Vergleich mit ihrer Vorgängerin. Die Sprachaufnahme bei „Von Caligari zu Hitler“ ist für mich ein nachhaltig wirkender Negativhöhepunkt. Und das Ergebnis gibt Karin recht ´- jeder, der beide Filme kennt, lobt bisher, wie sehr viel besser es diesmal gelungen ist.

Aber was wäre eine Sprachregie ohne Sprecher? Rike Schmid, die es verdient hätte, auch öfter auf der Kinoleinwand sichtbar zu sein, und die in ihrer wunderbaren Mischung aus scheinbarer, äußerlicher Kühle und innerer Wärme, verbunden mit unleugbarer Intelligenz, offenbar so sehr ins Schwarze der deutschen Kinoseele trifft, dass diese sich um die geschlagene Wunde nur durch Ignoranz hinwegtäuschen kann, diese Rike Schmid, der Stunde noch kommen wird, spricht in „Hitlers Hollywood“ gleich Susan Sontag (von 1975) und Hannah Arendt (von 1949) zusammen: Spitz, scharf, kristallen – zwei junge Frauen, die noch eher am Anfang stehen, deren Gedanken aber schon fertig sind.

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Natürlich sind dann doch nicht alle gekommen, die sich angekündigt hatten. Schade! Manche drehen, viele sind krank. Post-Berlinale-Grippe und Stress-Syndrom. Auch mich hat das Mammut-Festival geschlaucht. „Die Berlinale macht krank“ könnte man jetzt titeln. Aber das wäre wieder garstig.

Weitaus mehr Filmemacher sind da, als Kritikerkollegen. Über die, die da waren, egal ob sie noch blieben wie Carolin Weidner, Lukas Stern und Frédéric Jaeger, oder recht schnell gingen, wie Verena Lueken oder Bert Rebhandl, habe ich mich natürlich besonders gefreut. Auch Anne von Keller war da, die ich als Bedienung des Haliflor kenne, die sich aber neulich in Saarbrücken als Schauspielerin entpuppte, und die hoffentlich bald viele kennen.

Als die Diskussion und der anschließende Umtrunk zuende sind, ging es gegen Mitternacht mit einem harten Kern noch in die „Bar 3“. Bei den Freunden kam der Film gut an, und ich bekam einige sehr ermunternde Reaktionen. Aber so sind Premieren. Wie der Film wirklich ankommt, wird sich erst die nächsten Tage zeigen.

In den nächsten Wochen werde ich hier in diesem Blog regelmäßig von meiner Filmtour, von dem Film selbst und dem Drumherum erzählen.

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