Das Verschwinden, oder: The End is Nighy

 

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Die „Oskarsäulen“ sind da, das Ende naht! Die Deko für die Preisverleihungen und Lastwagen voller Wein werden vor die HFF gekarrt. Die Studenten aus der Caféteria verbannt. Im mühevollen Streben, dem innewohnenden Schimmer des Sichtbetons in seiner ganzen Schönheit zur vollen Geltung zu verhelfen.

Und doch fühlt es sich weniger an, als stünde ein glänzender, krönender Abschluss bevor. Sondern eher, als würden immer größere Teile des Filmfests einfach im Nichts verschwinden.

Immmer mehr der dieses Jahr ohnehin überhandnehmenden weißen Lücken wuchern im Timetable – es sind nicht länger bloß einzelne Uhrzeitschienen, sondern halbe Tage, in denen sich kein anschaubarer Film findet. (Und der Grund dafür sind nicht allein persönliche Vorlieben – außer einer mangelnden Heißliebe zu deutschen Fernsehfilmen.) Die einst halbstundenfressenden Riesenschlangen vor den Ticketcountern haben sich anscheinend zum Verdauungsschlaf ins Unterholz verkrochen – jedenfalls herrscht dort nun gähnende Leere. Vormals angekündigte Filmmakers Live Veranstaltungen führen nurmehr ins 404. Oder verschieben, wie die von Bill Nighy, ihren Beginn immer weiter nach hinten. Nach Woody Harrelsons Fahndungsplakat wird noch immer gesucht. Es häufen sich die Ansagen bei den Vorstellungen, gestern seien die Filmemacher noch live dagewesen, doch hätten justament die Stadt verlassen. Selbst den Hinweis auf den achtstelligen Ticketcode zur Publikumspreisabstimmung wird man morgen schon missen – wie ein Linienflug ohne Schwimmwestendemonstration.

Die Dringlichkeit, sich hier zu befinden, lässt nach in den Herzen aller.

Und am Sonntag versinken dann auch wieder die Oskarsäulen in ihren Kisten in den Jahresschlaf.

(Anna Edelmann & Thomas Willmann)

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