FFM 2018: Kurzkritik YUNG – Die Redundanz des Rauschs

Sie haben das alles im Griff, behaupten sie. Auch wenn es manchmal vielleicht nicht mehr danach aussieht.
Und das ist die nicht zu unterschätzende Qualität von YUNG: Dass er den jungen Frauen, die er portraitiert, erstmal zumindest die Möglichkeit zugesteht, dass sie damit recht haben. Dass trotz eines Dauerkreislaufs von Party, Drogen, Webcam-Anschaffe, Dealen, mehr Party, mehr Drogen diese Berliner Abiturientinnen mündig genug sind, ihre Abstürze zu kontrollieren.
Henning Gronkowskys Film hat weder moralisierendes Drama nötig, noch tappt er in die „So cool! So krass, ey!“-Falle. Er behält ein Gefühl dafür, dass das alles für die meisten wohl wirklich nur eine Phase ist. Und auch der vermeintliche Exzess eine recht kleinbürgerliche Angelegenheit.

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Partyarbeit-Pendlerinnen

Es fällt ihm mitunter allerdings schwer, von der Redundanz des Rauschs zu erzählen, ohne selbst redundant zu werden. Eine auf diversen Ebenen fragwürdige Vergewaltigungsszene hätte er sich schlicht sparen können. Und leider kommt der Moment, wo die lesbischen Sexszenen wirklich nichts mehr erzählen, sondern offensichtlich einzig dazu dienen, die Schaulust des Regisseurs zu befriedigen. Was nach Verrat jenes Vertrauens mieft, welches ihm die jungen Darstellerinnen entgegengebracht haben.
Schade für einen Film, der sonst weitgehend durchaus die richtige Distanz bewahren kann. Und der sich dann den einen Blick aus der Teenager-Filterblase für genau den richtigen Zeitpunkt aufspart.

Anna Edelmann & Thomas Willmann

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