FFM 2018: Mitmachpack zum Nachtarock

Ein Lieblingsspiel des diesjährigen Filmfests scheint der Nachtarock zu sein. Als Münchner Cineasten freut’s uns, dass man hier quasi nochmal den Cannes Wettbewerb neu verhandelt bekommt. Zwiespältiger rührt uns hingegen die Trotzreaktion auf den Berlinale Wettbewerb an.
Wir haben ja durchaus grundsätzliche Sympathie für Filmemacher, die extra Felder mit bestimmten Weizensorten anpflanzen und ganze Tankstellen in die Landschaft bauen lassen, weil in ganz Süddeutschland keine reale Location die genauen Anforderungen erfüllt. Und gewiss war die Berlinale keine dankbare Bühne für Philip Grönings MEIN BRUDER HEISST ROBERT UND IST EIN IDIOT. Man kann den schon durchaus nochmal zur Diskussion stellen.
Andererseits gehören wir ehrlich gesagt auch zur großen Menge der Kinoverlasser – wir haben bei diesem Film über „Zeit“ nach zwei Stunden beschlossen, ihm nicht noch eine weitere zu geben. Und würden aufrichtig die Ansicht verteidigen, dass es sich um keinen zu radikalen Kunstskandal handelte, sondern schlicht um ein leider misslungenes Experiment, das sich an seiner Prätention arg verhoben hat.

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Huhu, Zeit!

Wie gesagt: Zweiter Blick darauf, redliche Ehrenrettung, andere Kontextualisierung – kein Problem. Aber wir haben die Befürchtung, dass eine Gröning Hommage, große Gala-Vorstellung im Gloria, fünf Seiten Vorwärtsverteidigung im Magazin den Film mit einem erzwungenen Anspruch von „Verkanntes Meisterwerk!“ überfrachten, der ihn wieder nicht ins vorteilhafteste Licht rückt.
Jedenfalls möchten wir verhindern, dass die artechock Leserschaft ähnlich unvorbereitet wie wir in diesen Film gerät. Und haben ihnen hier mal ein Audience Participation Päcklein zusammengestellt:

8 Bierflaschen (voll, pro Person)
1 Buch „Abiturwissen Ethik für die Oberstufe“ – alternativ „Sophies Welt“
1 leere, zerbrochene Bierflasche (die nie wieder heil wird – cf. Kaffeetasse, A SHORT HISTORY OF TIME)
1 roter Lippenstift (nicht den teuren!)
1 Zorg (aus dem Ü-Ei, selten!)
1 Wasserpistole
1 Kondom (bei Inzest soooo wichtig!)
1 Uhr (Was ist Zeit? Dauert’s noch lang?)

Anna Edelmann & Thomas Willmann

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