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Tag_10 kurz vor Schluss

Ein Resümee nach 40 besuchten Vorführungen, es gab in dieser 70. Ausgabe des Festivals viel Erfreuliches, eine vielschichtige Auswahl an Filmen, von solider, gut gemachter Unterhaltung wie “Madame Hyde“, über Filme, die beunruhigten, wie „Meteorlar“, dokumentarische Filmessays mit wichtigen politischen Inhalten „Did you wonder who fired the gun?“, oder Horrorfilme, die Geburt und Kindheit eines Werwolfs erzählten, „As boas maneiras“ , es gab laute und auch sehr leise, eindringliche Filme, Klamauk und Ernsthaftigkeit, und auf der Piazza vom sympathischen „Chien“ bis zum Blockbuster „Atomic Blond“ eine breite Palette für jeden Geschmack.

Die Vielfalt findet sich in den letzten Jahre auch vermehrt im technischen Bereich, es werden alle Möglichkeiten Film zu drehen genutzt, sowohl 16 und 35mm Filmmaterial, als auch alle Varianten des digitalen Auszeichnen, die Technik wird in Beziehung zum gewünschten künstlerischen Ausdruck gewählt, statt automatisch nach dem neuesten Verfahren zu greifen, das erhöht enorm die Bandbreite der visuellen Qualität und Diversität der Filme.

Organisation und Ablauf könnten noch etwas verbessert werden, an einigen Abenden fragte man sich, was die Bildregie genau anstellt, wenn statt der gerade redenden Personen, irgendetwas oder irgendwer auf der Leinwand zu sehen war, oder ein Filmclip lief, während noch gesprochen wurde. Auch die Ehrungen könnten, wenn vielleicht nicht tatsächlich geprobt, so doch zumindest im Vorfeld ihr Ablauf besprochen werden, so dass es auf der Bühne dann nicht zu, zwar manchmal lustigem, aber Zeit kostenden Durcheinander kommt. Zwischen Giada Marsadri und Carlo Chatrian schien es manchmal „asynchron“ zu laufen, auch da könnte ein wenig „nachgebessert“ werden, zumal sie sonst als Moderationsduo gut rüberkommen. Und zuletzt, die Organisation in einigen der Kinosälen muss dringend überdacht werden, um Unmut und Reibereien bei den Zuschauern zu reduzieren.

 

 

Die Leoparden gehen an…

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Die Preisverleihung verlief eher unspektakulär und unglamourös, trotz fleissigen Filmschauens habe ich die goldenen Leoparden, Concorso Internationale „Mrs.Fang“ an Wang Bing  und Cinesti del presente für „¾“ von Ilian Metev, nicht gesehen, dazu also keine Einschätzung. Dass mit „Mrs.Fang“ ein Dokumentarfilm den Hauptpreis gewinnt ist auf jeden Fall erfreulich.

 

Der Gewinnerfilm der Leoparden von Morgen/international an Cristina Hanes für António e Catarina“ ist eher schwer nachvollziehbar. Auch wenn der portraitierte alte Mann in dem Film, Interessantes, Eigenwilliges bis zu grenzüberschreitend Anzügliches erzählt, ist der Film mit 40 Minuten zu lang, und bietet filmisch zu wenig. Das Gesicht des Alten, mal seitlich, mal frontal, der Blick aus dem Fenster, und nicht viel mehr, das ist zu wenig. Aber auch Festivaljurys sind wohl nicht frei davon interessante Inhalte gesondert zu sehen, statt einen Film in der gesamten, also auch visuellen, Komplexität zu betrachten und zu bewerten.

Der Leopard beste weibliche Hauptrolle an Isabelle Huppert geht natürlich in Ordnung, wie auch nicht, aber es hätte auch einige sehr gute unbekannte Schauspielerinnen gegeben, denen man den Preis gewünscht hätte. Der Regiepreis der Hauptjury, an F.J. Ossang für „9 doigts“ ist eine gute, aber auch spannende Wahl, der Film ist toll, aber eindeutig ein Nischenprodukt.  Der Spezialpreis der Jury Cineasti del presente geht an Milla“ von Valerie Massadian und der Preis für den besten Erstlingsfilm an Ana Urushadze für „Sashishi deda“, damit werden zwei starke junge Regisseurinnen, sehr zu recht gewürdigt, beiden bleibt zu wünschen, dass diese Auszeichnungen ihren Filmen den Weg in die Kinos ebnen kann.

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Der Publikumspreis geht an „The big sick“, auch das erfreulich, die Zuschauer sind vielleicht noch nicht so weit, einen bösen, schrägen Film wie „Laissez bronzer les cadavres“ zu wählen, oder einem Film, in dem in den ersten 10 Minuten ein niedlicher kleiner Hund zu Tode kommt – „Chien“ – ihr Herz und ihre Stimme zu geben – aber das kann ja noch werden.

 

Alle Preise auf: www.pardo.ch/pardo/pardo-live/today-at-festival/2017/day-11/palmares-2017

 

Festivalleiter Marco Solari hat sich seinen emotionalen Aufruf an die Freiheit der Kunst, des Festivals und des künstlerischen Direktors des Festivals bis zur Abschlussrede aufgehoben, er vermittelt dieses Anliegen wie gewöhnlich mit Ernsthaftigkeit und Grösse, ohne dabei wie ein Schullehrer zu wirken.

Gotthard – One Life One Soul“ von Kevin Merz, der letzte Film der Piazza widmet sich einer Band, die man als Tessiner Lokalmatadoren bezeichnen kann. Gotthard zählt zu jener Handvoll Schweizer Bands, die es auch international zu Bekanntheit und Ruhm gebracht haben. Der Dokumentarfilm umfasst die letzten 25 Jahre und erzählt von den Anfängen, dem ersten und dem zweiten Erfolg, ebenso wie vom plötzlichen Abstieg und wieder Aufstieg der Band. Der Film folgt in seine Rhythmus dem Hard Rock, mischt Interviews mit alten und neuen Tourneeaufnahmen, zeigt dass für die Kernmitglieder die Band immer mehr war als eine Rockgruppe, sondern ein Traum, den es zu verwirklichen und zu bewahren galt. Weggefährten, die mittlerweile nicht mehr miteinander reden erscheine gleichberechtigt neben den aktuellen Bandmitglieder und erzählen so auch von persönlichen Fehlern und Verlusten. Bilder, Schnittrhythmus und vor allem eine ausgezeichnete Tonmischung machen die Geschichte auch für Zuschauer spannend, für die Gotthard bisher nur ein Bergpass, ein Tunnel oder das Stauende -in dem sie stehen-war.

Die 71. Ausgabe des Festivals startet am 1.August 2018

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Tag_8 Dunkelbunt

Ein dunkler Schwarz-Weiss Film gleich nach dem Frühstück. „9 doigts“ von F.J.Ossang fängt an wie ein Gangsterfilm der 40ger Jahre, mysteriöse Geschichte, schräge Bildausschnitte, die mehr verbergen als preisgeben, Regen, eine Zigarette, ein Mann rennt und wird von einer Bande Ganoven gefangengenommen. Dann wechseln Stimmung, Stil und Schauplatz, der Rest des Films spielt auf einem Schiff mitten im Ozean, wohin die Reise geht ist ebenso unklar, wie die Beziehung unter den Gangstern, die Allianzen wechseln, das Schiff taumelt trunken keinem Ziel entgegen, während die Gangster Unverständliches philosophieren. Und über allem die Frage, wo ist das Polonium, wer ist der Auftraggeber, und wer ist überhaupt der titelgebende, unauffindbare „9Finger“. Der Film bietet keine Lösung, keine Erklärung, ist aber dafür von hypnotischer Schönheit.

Die letzte Vorstellung der Leoparden von Morgen bietet nur wenig Spannendes, „Crossing River“ von HAN Yumeng folgt in schönen Bildern einem jungen Bauarbeiter einen Tag lang, von Schiffsanleger zur Arbeit, in die Pause, wo er still ein Mädchen anhimmelt, das ihn ebenso anhimmelt, wieder in den Rohbau, und am Abend zurück aufs Schiff. Interessant ist der Einsatz von beredter Wortlosigkeit und der Leere selbst an belebten Orten, ein kleiner, schöner Film. In „Haine negre“ von Octav Chelaru wird viel Gesprochen, und doch herrscht grosse Sprachlosigkeit zwischen einem orthodoxen Priester und seinem Sohn, und von der Wahrhaftigkeit von der er predigt, bleibt nicht viel übrig als er den Sohn nach einem Diebstahl bei der Polizei abholt; er sollte es besser wissen.

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Weiter ins neue Palacinema, mittlerweile wird versucht die langen Schlangen, die sich bereits eine Stunde vor Vorstellungsbeginn bilden zu bändigen, in dem man zumindest die Wartenden der beiden Säle trennt, optimal ist die Lösung immer noch nicht, aber wenigstens kann der Film pünktlich anfangen. „Abschied von den Eltern“ von Astrid Johanna Ofner enttäuscht. Hauptsächlich weil die Qualität der Filmbilder oft sehr unschön ist, pixelig, schwammig, dem Schnitt fehlt die Ruhe, die die Bilder suggerieren, und die Tonbearbeitung klingt unfertig. Die Idee sich der autobiographischen Erzählung Peter Weiss‘ zu nähern, indem ein Darsteller zu den Schauplätzen der Geschichte führt, in ihr wandelt, sie belebt ist im Grunde gut, aber so wie sich der Film dann zeigt ist das ganze eher lähmend. Ob einem die Art wie die Texte meistens im Off, manchmal aber auch im On gelesen werden, gefällt ist dann nur noch Geschmackssache.

Trotz kühler Temperaturen, immerhin ist es wieder trocken, geht es auf die Piazza. Die ersten Preise und eine Ehrung gibt es vor dem Film. Mit 30.000 Euro dotiert ist der neue Eurimages Audentia Award, der an Regisseurinnen oder Regisseure geht, die mit ihren Filmen die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Filmindustrie weiterbringen. Der Preis geht an die Regisseurin von „Milla„ Valerie Massadian. Einen Ehrenleoparden gibt es noch für den Spanischen Kameramann José Luis Alcaine.

The big sick“ von Michael Showalter gehört in die Gattung romantische Komödie, und ist trotzdem erträglich und witzig! Vor allem wohl weil der Fokus der Geschichte nicht ausschliesslich auf der Liebesgeschichte zwischen einem Standup-Komiker mit Pakistanischen Wurzeln und seiner Amerikanischen Psychologie studierenden Freundin, und den unausweichlichen kulturellen Querellen, liegt, sonder alle Beziehungen zwischen den Figuren mit Reibungen zu kämpfen haben. Weil keine Beziehung perfekt funktioniert, und weil der Film zusätzlich wunderbare schräge Nebenfiguren hat, die nicht nur als „Kulisse“ dienen. Und das Beste ist, das Ende bietet zwar Positive Aussichten, aber keine schmachtenden Bekenntnisse und heisse Schwüre. Lockere Unterhaltung mit einem Schuss Gesellschaftskritik.

 

Tag_9 die letzten Filme

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Unter dem Titel Panorama Suisse werden neue Schweizer Produktionen gezeigt, mit immer sehr grossem Zuschauerinteresse, so ist es auch nicht verwunderlich, dass schon früh eine grosse Menge Menschen vor dem Fevi steht um „Unerhört Jenisch“ von Karoline Arn und Martina Rieder zu sehen. Der Film beleuchtet ein gerne verdrängtes Thema in der Schweiz, nämlich das der Marginalisierung der Jenischen, die mal als Fahrende, mal als Schausteller bezeichneten und vor allem in Graubünden ansässig sind. Vorrangig geht es im Film um die vielen aktiven Musikerfamilien, die einen jenischen Hintergrund haben, vom international bekannten Stephan Eicher über diverse Volksmusikgruppen, parallel geht es aber auch um das unfassbare Unrecht, das den Familien bis in die Mitte der 70ger Jahre geschehen ist, indem man sie nicht nur an den Rand der Gesellschaft drängte, sondern ihnen auch immer wieder Kinder weggenommen wurden, um sie „umzuerziehen“. Es geht viel um Selbstverständnis, verwurzelte Ängste, und wie sich (Musik)Traditionen gegenseitige beeinflussen. So beschämend die politisch-gesellschaftlichen Verfehlungen sind, der Film bleibt in seiner Grundstimmung positiv.Das Publikum reagierte begeistert.

Gli asteroidi“ von Germano Maccioni kombiniert Raub und Diebstahl mit einer Geschichte von Freundschaft und Erwachsenwerden. Drei Jungs, einer mit kleinem Job, einer kurz vor dem Schulabschluss und der Dritte ein versponnener Träumer, jeder hadert mit sich und seinem Schicksal, zusammen mit dem viel älteren Pizzeriabesitzer begehen sie Raubzüge in Kirchen, um die geklauten Kultgegenstände zu verkaufen. Jeder scheint sich aus dieser kriminellen Aktivität einen Ausweg aus der Öde des Alltags zu erhoffen, dass das nicht gut gehen kann, ist spätestens klar, als der Alte mit einer Waffe aufkreuzt. Die gebündelte Dummheit der Jungs macht einen im Zuschauerraum unruhig, man möchte ihnen dauernd zurufen „mach das nicht…Achtung!“ Ach ja, und die Asteroiden, von denen der Träumer die ganze Zeit behaupte, sie würden direkt neben dem Radioteleskop des Ortes auf die Erde stürzen und sie zerstören, sind dann doch eher nur Sternschnuppen gewesen, aber da ist dann schon vieles nicht mehr gut, und die Übriggebliebenen sind ein Stück erwachsen geworden.

Im allerletzte Film des Hauptwettbewerbs „En el sétimo día“ von Jim McKay geht es um um Prioritäten, Fussball und Arbeit. Eine Gruppe illegal in Brooklyn arbeitender Mexikanern, alle begeisterte Fussballer, kommen in einem lokalen Turnier ins Finale, bloss dass ihr wichtigster Spieler an dem Tag eigentlich nicht wird spielen können, weil er arbeiten muss. Die Geschichte ist die meiste Zeit sehr rasant erzählt, schon alleine weil einige der Mexikaner als Fahrradboten für ein Restaurant arbeiten, wilde Fahrten durch Brooklyn, wechseln sich mit hektischen Mittagspausen, wuseligem Treiben im Restaurant und lauten Abenden in der völlig überfüllten Wohnung der Männer, ab. An manchen Stellen macht der Film eine Pause in der Hektik, nimmt sich Zeit für längere Dialoge, die nicht immer spannend sind, oder dem Fortgang der Geschichte dienen. Wunderbar ist das Finale, als Parallelmontage von Fussballturnier und Arbeit, und eine originelle Lösung wie der fehlende Mann dann doch noch, zumindest zeitweise, auf den Platz kommen kann, um das Team in Führung zu schiessen, gibt es auch. Allerdings auch diesmal ohne komplettes Happy End, Prioritäten haben manchmal einen Preis.

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Der niedrigen Temperatur geschuldet geht es statt auf die Piazza ins „Ausweichquartier“ Fevi um „Atomic Blonde“ von David Leitch zu sehen. Alle die mit Comic Verfilmungen nichts anzufangen wissen, denen laute 80ger Jahre Musik missfällt, die sehr blutige Prügeleien, spritzendes Blut, eingeschlagene Schädel und ein bisschen lesbischen Sex nicht mögen, sollten dem Film fern bleiben, für alle anderen: ja bitte! Eine dreifach gedrehte Agentengeschichte, eine Superagentin, gegen die 007 einpacken kann, und Berlin kurz vor dem Mauerfall. Was für ein Spektakel.

 

 

Jetzt heisst es warten auf die Entscheidungen der Jurys, die, wie meistens, unvorhersehbar sind.

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Tag_6  Schauergeschichten und Regenschauer

Immer wieder kommt es zu Überraschungen, wenn die einzige Vorabinformation, die man zu einem Film hat, der Katalogtext ist, manchmal ist diese Überraschung dann richtig gut.

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Laut Festivalkatalog geht es in „As boas maneiras“ von Juliana Rojas und Marco Dutra um eine Krankenschwester, die bei einer Schwangeren eingestellt wird, und um eine Nacht, die alles verändert. Was nicht drin steht, es handelt sich um eine ziemlich grelle Horrorgeschichte, der Kontrast: arme Krankenschwester, reiche – und wie es scheint – verwöhnte Schwangere ist aber nur der Einstiegt in eine Geschichte in der sich Stück für Stück herausstellt, was da für ein Monster im Bauch heranwächst, und mit Schockeffekt zur Welt kommt. Der zweite Teil des mehr als zwei Stunden langen Films widmet sich der Kindheit der Kreatur. Der Film ist spannend und modifiziert fast liebevoll gängige Horrorstrukturen, man sollte nicht zu zimperlich sein, was blutige Szenen angeht, aber auch damit umgehen können, dass, in Art des Chors in griechischer Dramen, aus den Szenen heraus ein kommentierender, warnender Gesang anhebt, dann aber ist der Film eine grosse Freude.

Die nächste Überraschung dann bei den Leoparden von Morgen, alle 4 gezeigten Filme sind sensationell gut. „Edge of Alchemy“ von Stacey Steers ist ein Kunstwerk aus verschiedenen gezeichneten Ebenen, ausgeschnitten und als Kollage auf dies Ebenen gebrachten Stummfilmstars und einer verwirrend dichten Tonspur, alles zusammen ergibt eine Art feministisches Frankensteinlabor, grossartig. „Agavarim shel Ella“ von Oren Adaf ist ein meisterhaftes Beispiel dafür, dass man mit nur einer kleinen Lichtquelle, in dem Fall einer Taschenlampe, gezielt eingesetzt mit der Kamera malen kann. Darsteller und minimale Lichtquelle folgen einer Choreographie und bleiben dabei trotzdem ganz real und in der Logik der Geschichte, bei Stromausfall erwartet man als Zuschauer nicht mehr Licht, und möchte trotzdem dem Geschehen folgen, und das funktioniert hervorragend. „Kapitalistis“ von Pablo Muños Gomez erzählt wunderschön zart, was ein griechischer Pizzaauslieferer in Belgien alles anstellt, um für seinen Sohn einen teuren Schulrucksack zu Weihnachten zu kaufen. Hier verbinden sich Humor und Gesellschaftskritik, Witz und Wärme und schön gedreht und flott geschnitten ist es auch noch. „Silica“ von Pia Borg erzählt sowohl Landschaft, spektakulär eine Australische Opalminenregion, als auch eine Suche nach geeigneten Motiven für einen neuen Dreh der Mars-Chroniken. Die Tonebene fungiert als assoziatives Tagebuch dieser Suche, während die Bilder manchmal wie von selbst abschweifen, ein Eigenleben entwickeln, das sich dann doch wieder in den Off Gedanken wiederfindet – faszinierend.

Ohne Zwischenstopp geht es ins nächste Kino „ Easy“ von Andrea Magnani ist ein skurriles Roadmovie. Ein Sarg soll von Italien in die Ukraine überführt werden, und ausgerechnet der dicke, depressive ehemalige Go-Kart Champion soll diese Fahrt übernehmen. Alles was man sich vorstellen kann geht bei dieser Reise schief, und jedesmal, wenn man sicher ist, mehr kann nicht mehr daneben gehen, findet sich doch noch eine weitere Drehung. Aber bei allem Klamauk ist der Film auch immer wieder still und nachdenklich, die Figur des Fahrers wird nicht für billige Lacher verraten, und Landschaft und Menschen auf dieser Reise sind nicht nur exotische Staffage. Am Schluss gab es begeisterten Applaus.

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Weniger begeisternd ist dann der starke Regen, der zwischenzeitlich angefangen hat, durchnässt also ins nächste Kino. Das neue Palacinema hat zwar schöne Kinosäle, aber wenn grosse Mengen Zuschauer auf Einlass warten, wird es sehr schnell sehr unübersichtlich und ungemütlich, obendrein führt eine schmale Rolltreppe in den grossen Saal, und so löst sich der Andrang so langsam, dass der Film mit mehr als einer halben Stunden Verspätung anfängt. „Denen wos guat geit“ von Cyril Schäublin hat viele gute Ideen und eine sehr interessante Kamera, die immer wieder verblüffende Blickwinkel findet. Der Film ist ein Mäandern oder Variieren des immer gleichen Themas: in unserer Welt sind Codes, Passwörter, günstige Tarife für Internet, Telephon oder Krankenversicherung so wichtig und allgegenwärtig, die Konkurrenz entsprechend gross, und das einzige womit man sich darin, zu Werbezwecken, abheben kann, ist auf gute alte Emotionen zu setzten. Die Kombination von beidem ist dann die Waffe der Wahl für Betrug und Raub, der umso schwerer zu stoppen ist, als dass alle Beteiligten permanent in diesem Netz aus Codes, Passwörtern, Tarifen hängenbleiben. Auch wenn der Film an manchen Stellen etwas unfertig oder ungelenk wirkt, ist er ein guter erster Langfilm.

Ohne die Sturzbäche von Regen wäre dieser Tag uneingeschränkt als Erfolg zu verbuchen.

 

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Tag_7 Das Nichts und alles andere

Gemeine Regenwolken hängen weiterhin über Locarno, also Regenschutz überwerfen und ab ins trockene Kino. „In praise of Nothing“ von Boris Mitić ist laut Katalog ein satirischer Dokumentarfilm. Er ist vor allem eine bewundernswerte Recherche- und Schnittarbeit, denn kein einziges Bild wurde selbst gedreht, alle stammen aus verschiedensten Filmen, zusammen erzählen sie die Geschichte des Nichts, das in unsere Welt geflüchtet ist um sich umzusehen. Das Nichts sucht und kommentiert, findet sich vielerorts, findet sich ausgenutzt, missverstanden, umgedeutet. Das Nichts spricht in Reimen und mit der Stimme von Iggy Pop! Ein grosses, tolles Nichts ergibt das.

Das Programm der Leoparden von Morgen ist dann weniger erfreulich. In „Jeunes hommes à la fenêtre“ von Loukianos Moshonas lässt die Vergrösserung eines Scans der leeren Scannerplatte zwei Studenten über Ängste, Träume und Dasein philosophieren, wobei sie dabei immer mehr abschweifen und sich immer weniger zuhören, am Anfang hat das ganze noch relativ viel Witz, aber der Spass dauert dann mit zu wenig Varianten im Bild zu lang. „British by the Grace of God“ von Shaun Robert Dunn zeigt ein nicht mehr taufrisches Ehepaar, beim Feiern, beim Flirten, Sex im Auto. Sie haben etwas verzweifelt enthemmtes, viel Alkohol, Verzweiflung in den Augen, aber ein einzige kurze Einstellung ändert für den Zuschauer den gesamten Kontext des Films. Während die Eltern mit Freunden im Wohnzimmer saufen, gehen zwei kleine Kinder auf Erkundungstour durch die Wohnung, öffnen Türen, blicken in Zimmer, hinter einer Tür sieht man die Beine des Teenagersohns von der Decke baumeln. Die Kamera geht zurück ins Wohnzimmer, wie nebensächlich ist dieser kurze Schnitt, erzählt aber im Kopf des Zuschauers eine neue, ganz andere Geschichte, die des Danachs.

Ein eher experimenteller Dokumentarfilm ist „Did you wonder who fired the gun“ von Travis Wilkerson. Wilkersons Suche nach den Schatten in der Vergangenheit seiner Familie erzählt von Rassismus, Mord und sexueller Gewalt, Schatten, die in den USA keineswegs nur der Vergangenheit angehören. Schwarz-Weiss Bilder des Ortes in den Südstaaten, aus dem seine Familie stammt, wo sein Urgrossvater einen Schwarzen erschiessen konnte, ohne sich je dafür verantworten zu müssen, schöne Bilder von trostlosen Orten sind das, dazu die Gedanken bei seiner Suche nach Wahrheit, eindringlich gesprochen, aber auch wütend, weil auch heute fast nichts herauszufinden ist. Das alles ist sowohl extrem persönlich, als auch allgemeingültig, und wird damit umso erschreckender.

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Da der Regen eine Pause einzulegen scheint geht es auf die Piazza, wo es dann prompt doch noch mal zu regnen beginnt, aber pünktlich zu Beginn der Ehrungen ist es wieder trocken. Das Festival ehrt sich zunächst mal selbst, mit einem kurzen filmischen Rückblick auf die letzten 70 Jahre. Einen Leoparden für die Tessiner Maskenbildnerin Esmé Sciaroni und einen Leoparden für den Schweizer Produzenten Michel Merkt. Spät fängt also das indische Epos, das eigentlich eine Schweizerisch-Französisch-Singaporische Koproduktion ist, an. „The song of the scorpions“ von Anup Singh ist ein Drama um verschmähte Liebe, Vergewaltigung, Mord und Rache, angesiedelt zwischen malerischen Sanddünen und archaisch anmutenden Dörfern. Gewaltige Bilder ergibt das, weite Landschaften, warme Erdfarben, aber vieles an den Aktionen und Reaktionen bleibt unverständlich, vielleicht fehlen einfach erzählerische Chiffren, vielleicht ist Indien in seiner Erzählweise zu „exotisch“, um aus dem Gesagten und vor allem, dem Nichtgesagten Schlüsse ziehen zu können. Der Tag endet also etwas ratlos, aber immerhin trocken.

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Tag_4 Kraft und Zärtlichkeit

Meistens ist man als Zuschauer bei der dritten und letzten Vorführung „alleine“, also ohne Moderation und ohne Regie und Team, nicht so bei Denis Côtés neuem Film „Ta peau si lisse“, der Meister der subtil schrägen Filme kündigt seinen Film selber an. In dem Dokumentarfilm geht es um Bodybuilder, langsam, analytisch und fast streichelnd, tastet die Kamera die Muskeln, die Hautfalten, die Gesichter der Protagonisten ab. Diese Männer, deren Leben sich an erster Stelle um den Aufbau und Erhalt ihrer Muskelmassen dreht, sind keine tumben Fleischberge, je länger der Zuschauer sie auf der Leinwand beobachtet, umso klarer wird, nicht nur ihre Haut ist zart, diese riesigen Muskelberge umgeben zarte Wesen. Besonders berührend sind Szenen, in denen die Protagonisten mit ihren Kindern, ihren Haustieren, ihren Familien interagieren. Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass dieser Film alles erzählt ohne dabei einen Kommentartext zu brauchen.

In Locarno gilt es Prioritäten zu setzen, nicht nur bei der Auswahl der Filme, sondern auch, ob man lieber eine kleine Kaffeepause macht, oder sich eine Stunde vor Filmbeginn in die Warteschlange stellt, letzteres hat den Vorteil, dass man den Platz im Saal hat, an dem man – einigermassen – gut sitzt, allerdings mit Koffeinmangel. Die Warteschlange für „Madame Hyde“ von Serge Bozon ist erwartungsgemäss lang, immerhin spielt Isabelle Huppert die Hauptrolle. Der Film basiert lose auf Dr.Jekyll and Mister Hyde, Huppert, als überforderte, aber auch schlechte Physiklehrerin Madame Géquil, der die Schüler der Vorortschule auf der Nase rumtanzen, sie brüllt und kommt trotzdem nicht weiter, bis eines Tages in ihrem Physiklabor, in bester Dr. Frankensteinmanier, beim Hantieren mit technischen Apparaturen der Blitz durch die Geräte und in sie fährt; Die Geburt von Madame Hyde. Der Film ist allerdings in Folge weit weniger schräg und abgefahren, als die Bilder hoffen liessen, sondern eher, der Vorlage geschuldet, moralisch und belehrend. Die Lehrerin gewinnt mit der Verwandlung an Stärke und Selbstbewusstsein, meistert ihre Schüler, verwandelt sie sogar in Musterbeispiele gelungener Pädagogik, muss sich aber auch der immer stärker werdenden zerstörerischen Kraft ihre zweiten Natur stellen, und entscheiden, ob sie diese zulässt, oder, zu Gunsten der Moral, Madame Hyde verrät und aufgibt.

Milla“ von Valerie Massadian ist ein ganz langsamer, ruhiger Film, dessen Kraft sich ebenso langsam erschliesst, dafür aber dann um so eindrücklicher. Die Bildern, oft mittelweiten Totalen, graphisch schön komponiert, bilden eine Art Bühne für die diversen Stadien, in denen sich die junge Milla befindet, von der verliebt und bei jeder Gelegenheit kichernden, unbekümmerten jungen Frau, zur etwas unsicheren Schwangeren, die ihren Freund verliert, bis zur Mutter eines kleinen Jungen, die gelernt hat sich um ihr Leben zu kümmern und Verantworten zu tragen ohne dabei an Lebensfreude zu verlieren. Und obwohl der Film etwas über 2 Stunden lang ist, schaut man fasziniert dieser Entwicklung zu. Taucht in die Bilder ein, schweift auch mal in Gedanken ab, und kommt ganz bequem wieder zu der Filmfigur und ihrem Leben zurück.

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Auf der Piazza keine Ehrung an diesem Abend, „Amori che non sanno stare al mondo“ von Francesca Comencini verspricht eine romantische Komödie mit Ironie zu sein, eine nicht wirklich nachvollziehbare Beschreibung des Films. Ein Paar, Er unausstehlicher, blasierter, alternder Literaturprofessor, Sie hektisch nervende Literaturprofessorin – etwas jünger – haben sich nach 7 Jahren getrennt, und besonders Sie scheint das nicht so recht akzeptieren zu wollen. Es gibt ping-pongschnelle Streitereien, mal geistreich, mal einfach albern, Rückblicke auf die Anfänge und die gemeinsame Zeit, wo man sich immer fragt warum die beiden überhaupt ein Paar waren, und am Schluss die Erkenntnis auf beiden Seiten, dass nicht jede Liebe gelebt werden kann. Nein, weder Komödie noch romantisch und schon gar nicht ironisch.

 

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Tag_5 Familienangelegenheiten

Ein Palästinensischer Film gleich um 11 Uhr morgens, und das kleinste Festivalkino, ist mit 270 Zuschauern restlos ausverkauft. „Wajib“ von Annemarie Jacir erzählt mit sehr schlichten Szenen und pointierten Dialogen nicht nur eine Familiengeschichte, sondern in kleinen, gut platzierten Nebensätzen auch vom Konflikt im Nahen Osten. Die meiste Zeit verbringen Vater und Sohn in einem alten Volvo in den Strassen Nazareths, auf dem Weg zu Nachbarn und Freunden, um Hochzeitseinladungen persönlich abzuliefern. Langsam wechselt Geplänkel zwischen Vater und Sohn über Lebensmodelle zu konkreteren Kränkungen und Missverständnissen aus der Vergangenheit, wobei die kurzen Gespräche mit Freunden und Nachbarn der Auseinandersetzung immer wieder neue Drehungen und Facetten geben, aber auch immer wieder als beruhigender Faktor fungieren. Eine absolut sympathische Geschichte vom normalen Irrsinn im Nahen Osten.

Die Leoparden von Morgen warten mit zwei Familiengeschichten auf, einer sehr misslungenen und einer, die so gut ist, dass man ziemlich sicher sein kann da einen Preisträgerfilm gesehen zu haben. „Les histoires vraies“ von Lucien Monot ist der missglückte Versuch ein locker-leichtes Porträt seines Vater zu machen, die 16mm Bilder sind grösstenteils unscharf, wackelig, uninteressant, die nachgestellten Szenen aus dem leben des Vaters – mit dem Vater selbst als Darsteller – sind hölzern und uninteressant, alles in Allem, 22 Minuten, die sich in die Länge ziehen. „Rewind Forward“ von Justin Stoneham dagegen ist ein wirklich bewegender und schmerzhaft ehrlicher, persönlicher Film. Stoneham besucht seine 25 Jahre vorher durch einen Hirnschlag geschädigte Mutter nach 12 Jahren zum ersten Mal im Pflegeheim, diese Begegnungen werden immer wieder von VHS Filmen der Familie vor dem Schlaganfall unterbrochen. Es entsteht ein sehr komplexes Bild vom Verlust, den der 4 Jährige durch diesen Unfall erlitten hat, aber auch vom schlechten Gewissen, dass ihn jetzt als Erwachsenen prägt, ihn aber auch motiviert hinzuschauen und eine, wenn auch späte, liebevolle neue Beziehung zur Mutter zu etablieren. Weiter im Programm zwei wunderschöne Animationsfilme, einmal „Kuckuck“ von Aline Höchli, der mit schönen, schlichten Zeichnungen zeigt, dass wir alle den einen oder anderen sprichwörtlichen oder metaphorischen Vogel haben, sehr witzig. Der andere „La femme canon“ von Albertine Zullo und David Toutevoix ist ein Stop-Motion Film, von einem Schaustellerpaar, das sich verliert und wiederfindet, hübsch.

Ohne Pause geht es in die nächste Warteschlange, „Goliath“ von Dominik Locher ist auch ziemlich ausverkauft. Ein junges Paar wird am Tag als sie sich entscheiden ihr ungeplantes Kind zu behalten von einem Typen verprügelt, eine albernen Situation ist eskaliert, und beide landen mit blutigen Nasen im Krankenhaus. Was dann folgt ist eine massive Fehlentscheidung des jungen Mannes. Um sich und seine Freundin künftig verteidigen zu können, pumpt er sich mit Hilfe von Ananbolika und Kraftraining auf. Die daraus folgenden körperlichen und charakterlichen Veränderungen, belasten die Beziehung. Eigentlich ist das etwas zu wenig Geschichte für 90 Minuten, die Handlung stagniert und wirkt manchmal fast wie ein Lehrfilm zur Drogenprävention.

Der Ehrenleopard für Todd Haynes eröffnet den Abend, und dann folgt der bislang beste Film auf der Piazza Grande, „Chien“ von Samuel Benchetrit. Jacques, ein Familienvater, wird von seiner Frau unter fadenscheinigen Gründen aus Haus und Bett geworfen, verliert in Folge auch seinen Job, und selbst der kleine Hund, den er kauft, wird fast sofort nach dem Kauf vom Bus überfahren. Aber so böse und düster die Situation auch ist, auf Jacques Gesicht bleibt immer ein knopfaugiges Lächeln, die Welt scheint für ihn ein freundlicher Ort zu bleiben. Auch als der brutal-sadistische Hundehändler ihn bei sich aufnimmt wie man einen streunenden Hund aufnimmt, und ihn auch so behandelt, auf dem Boden schlafen inklusive, bleibt er freundlich, hündisch-devot möchte man sagen. Bis er, als es dann doch zu viel wird, in ebendieser Hundeart doch reagiert, war der Film bis dahin schon sehr schräg und immer wieder auch etwas surreal, driftet er danach völlig ins Surreale ab und findet so ein grossartiges Ende, das man auf keinen Fall verraten darf. Schön dass es solche Filme gibt, die Geschichten abseits der Trampelpfade erzählen, die sich im Kopf des Zuschauers auch noch länger ausbreiten und weiter- oder umerzählen lassen.

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Tag_2  Alt? Was heisst das schon?

Verão Danado“ von Pedro Cabeleira verspricht der ideale Film zum hochsommerlich heissen Locarno Wetter zu sein, von heissen Sommertagen, die träge aber auch pulsierend verlebt werden, Lissabon als Kulisse, auch die 128 Minuten klingen zunächst nicht so abschreckend; viele Zuschauer hatten wohl ähnliche Gedanken, der Saal ist um 11 Uhr morgens voll. Was dann allerdings folgt sind inhaltlich und technisch uninteressante Bilder, unendlich langweilige, dahergeschwafelte Dialoge, und von Hitze und Pulsieren keine Spur, selbst Lissabon als Hintergrund macht eine schlechte Figur, da viel Szenen in Innenräumen oder auf Hausdächern stattfinden. Im Saal wird es zusehends unruhiger, Zuschauer verlassen das Kino, nach etwas über einer Stunde ist es dann auch mir zu blöd und ich verschwinde in die real existierende, schwirrende Hitze Locarnos.

Die Leoparden von Morgen fangen auf jeden Fall schon vielversprechend an, „59 secondes“ von Mauro Carraro ist ein wunderschön gezeichneter Animationsfilm. Vor dem Hintergrund der schweren Erbeben in Norditalien 1976 erzählt er in kurzen, warmherzigen Szenen die Liebesgeschichte seiner Eltern, ein Liebesgedicht mit viel Humor. Nicht so sehr Liebe, aber das Balzverhalten, nicht nur, von Seevögeln gibt es in „Parades“ von Sarah Arnold. Eine junge Frau sucht im Naturschutzgebiet nach einem mythischen Karpfen und gerät dabei mit dem jungen Parkaufseher in Konflikt, kurzerhand entführt sie ihn auf eine der Inseln mitten im See des Parks, bei Menschentieren gehört manchmal auch das Beschimpfen zur Balz, und am Ende findet sie sogar den dicken Karpfen, der den Lauf der Dinge vorhersagen kann. Schöne Idee, schön umgesetzt, alles sehr kurzweilig. Der Film „und alles fällt“ von Nadine Schwitter will mehr als er einlösen kann, Haltung zeigen und Verantwortung für sein Handeln übernehmen ist die Grundidee. Dass die beiden befreundeten Paare Einfluss aufeinander haben, und Missgeschicke des Einen bei den Anderen zu groben Streitereien führen wird zwar durchaus gekonnt erzählt, aber dass irgendwer Verantwortung übernimmt für sein Tun, ist im Eifer der Inszenierung verloren gegangen.

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Mit grosser Vorfreude geht es dann ins vollbesetzte Fevi zu „Lucky“ von John Carroll Lynch. Harry Dean Stanton dabei zuzuschauen wie er als grummelnder Alter die Leinwand beherrscht ist einfach zu schön. Die Geschichte um den alten Griesgram wird über seine täglichen Routinen erzählt, bei jeder Wiederholung aus etwas anderen Perspektiven und Kamerablicken, bis zu dem Tag wo Lucky einfach umkippt. Ab dem Zeitpunkt ändern sich die Routinen minimal, werden dem steigenden Griesgrämigkeitspegel angepasst, um dann langsam und fast umbemerkt aus dem Kreis auszubrechen und zu einem grossartig lächelnden Harry Dean Stenton inmitten einer Kakteenwüste zu gelangen. Für diesen schelmischen Film über Alter und Altersweisheit, die man auch einfach Frechheit nennen kann, gab es tosenden Beifall. Und so geht es gut gelaunt in den nächsten Film: „Distant constellation“ von Shevaun Mizrahi. Der eigenwillige Dokumentarfilm portraitiert einige Bewohner eines Istanbuler Altersheims, das wäre zunächst mal nicht so wahnsinnig spannend, aber auf Grund der so neugierig wie sensiblen Kamera und der recht speziellen Protagonisten, entsteht ein wunderbarer Film, der sehr viel von Respekt aber auch von Vergänglichkeit und Veränderung erzählt.

Auf der Piazza Grande bekommt an diesem Abend Adrian Brody vor über 6000 Besuchern einen Ehrenleoparden und der erste Film des Abends verspricht abkühlende Bilder. Vielleicht ist das ja nur böse Voreingenommenheit, aber Bergfilme …..Naja!

Drei Zinnen“ von Jan Zabeil bietet dem Genre keine Ehrenrettung, schöne Kulisse, gute Kamera, gute Darsteller, aber das war dann auch schon alles. Die Geschichte der Patchworkfamilie auf Urlaub in den Bergen ist unglaubwürdig, und was noch schwerer wiegt sie ist schlicht langweilig, und selbst als sich das „Drama“ zuspitzt kommt keine Spannung auf, eigentlich wird der Film da wahlweise ärgerlich oder lächerlich. Schade irgendwie. Aber der Abend wird dann doch noch gerettet, um Mitternacht beginnt „Laissez bronzer les cadvres“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani. Ein lautes, buntes Feuerwerk aus tiefen Verbeugungen vor, Referenzen an und Zitaten aus Trash, Pulp und Italowestern mit einer Prise Seitenhiebe auf Aktionskunst der 60ger Jahre, laut und witzig und extrem gut gemacht. So endet ein langer Tag der zäh anfing dann doch noch gut.

 

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Tag_3 Männerwelten

 

Mit dem dänischen Film „Vinterbrødre“ von Hlynur Pálmason taucht man ein in eine kalte, karge und raue (Männer)Welt, ein verlorener Ort in dem ausser der Fabrik, dem Untertageabbau und den Wohncontainern nichts als winterlicher Wald und Weite zu finden ist. Wortlosigkeit und Härte prägen das Miteinander der Arbeiter, nur einer von zwei Brüdern treibt in dieser Welt dumme Bubenspiele, Wettpinkeln, Karabiner Handhaben, illegal Schnapsbrennen und die einzige Frau im Areal, die mit seinem Bruder schläft, anhimmeln, inklusive Höschenklau. Diese Konstellation aus zu viel Leere und zu viel Testosteron gepaart mit jungendlicher Dummheit ergeben eine hochexplosive Mischung. Wunderbare Bilder findet der Film immer wieder, nicht zuletzt Untertage, wo einzig die Stirnlampen Licht bringen, und so ein Bilderblitze in infernalem Lärm baden, während unten Schwarz dominiert, verliert man sich oben in hässlichem Grau, trübsinniger geht es kaum mehr, und doch ist der Film ungeheuer faszinierend.

Die Leoparden von Morgen bieten dafür dann eher magere Kost einzig „Das satanische Dickicht – DREI“ von Willy Hans ist erwähnenswert. Surreale Ereignisse auf einem deutschen Campingplatz, schön in schwarz-weiss und auf Film gedreht. Ein Film wie ein langes Aus-und wieder Einatmen, Menschen, Dinge, Tiere driften auseinander, und finden wieder an ihren Platz, einatmen, ausatmen, und man meint ein sommerliches Flirren und Summen zu vernehmen.

Ein sehr beunruhigender Film ist „Meteorlar“ von Gürcan Keltek. Eine Welt am Abgrund, erzählt in bizarren, teils fast abstrakten schwarz-weiss Bildern, die Jagd auf Steinböcke, Soldaten an der Grenze, Menschen in eine Dorf, die auf die Strasse gehen, es knallt immer mehr, nicht mehr nur Übung, sondern Attentate und Ausnahmenzustand in der Türkei, Menschen, deren Häuser zerschossen werden, Gewalt und Gegengewalt, in der Montage wirkt alles noch viel sinnloser als sonst, und dann noch ein Meteoritenschauer über der Südosttürkei, verwoben und unterlegt von einer Frauenstimme, die das Warum in Frage stellt. Beunruhigend, nicht immer gut, aber sehr eindrücklich.

Auf der Piazza Grande einen Ehrenleoparden für den französischen Regisseur und Schauspieler Mathieu Kassovitz, der auch im Abendfilm, „Sparring“ von Samuel Jouy, die Hauptrolle spielt. Boxerfilme bilden eine Art Gegensatz zu Bergfilmen, auch her weiss man eigentlich was man bekommen wird, aber die Chancen sich dabei gut zu unterhalten sind deutlich grösser, und wenn die Klischees nicht mit dickem rosa Zuckerguss überzogen werden, dann macht so ein Boxerfilm einfach Spass. Das funktioniert auch bei „Sparring“ ganz wunderbar, der alternde Boxer, der von sich sagt seine Spezialität sei es einstecken zu können, der sich aus Geldmangel entscheidet einen Monat lang der Sparringspartner eines Europameisters zu werden. Coole Boxsequenzen, ein bisschen Machogebalze und die junge Tochter als beruhigender, aber auch lenkender Gegenpol und ein leises, nicht gezuckertes Happy End.

Locarno_2017

Eröffnung der Jubiläumsausgabe – 70 Jahre Filmfestival in Locarno

 

Viel nackte Haut, jede Menge wild wedelnder bunter Fächer und grosser Andrang zum Eröffnungsempfang der Jubiläumsausgabe. Das zweitälteste europäische Filmfestival hat sich viel vorgenommen, neue Kinosäle sind dazugekommen, neue Nebenschauplätze für Diskussionen und – zwanglose – Treffen, langjährige Sponsoren gingen, neue Sponsoren wurden gefunden, der Kunst, der Freiheit und der Freude beides zu verbinden wird weiter gehuldigt.

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Marco Solari (c) ch.dériaz

Im Zweifelsfall gewinnt immer die Kunst, so beendet Bundesrat Alain Berset seine Eröffnungsrede, ein schöner Satz von einem Politiker. Festivalleiter Marco Solari nimmt sich auf der Piazza Grande sogar Goethe zur Hilfe, nicht das Verharren im schönen Augenblick, sondern das Streben nach Mehr, nach Besserem sei das Ziel. Die kommenden 12 Tag werden zeigen was die Neuerungen und das Programm bringen.

Locarno das sind immer auch Kontraste, unabsichtiges, aber auch irgendwie typisches Beispiel: auf dem roten Teppich am Eröffnungsabend, der künstlerische Leiter Carlo Chatrian in Anzug und schwarzer Fliege neben Mathieu Amalric, Darsteller des Eröffnungsfilms „ Demain et tous les autres jours“ in knitterigem, offenem Hemd und kaputten Schuhen. Auf der Bühne die Stimmung gutgelaunt und ausgelassen, obwohl die Regisseurin Noémie Lvovsky so aufgeregt ist, dass man ihr Mut zurufen möchte.

Einen märchenhaften, versponnenen Film hat sie geschrieben, inszeniert und eine der Hauptrollen übernommen. Mit viel Witz und in weiten Strecken sehr originell erzählt sie eine ungewöhnliche Mutter – Tochter Beziehung, in der der die kleine Tochter, wunderbar und stark gespielt von Luce Rodriguez, die Verantwortung für sich und ihre Mutter tragen muss, und sich in verschiedenste Phantasiewelten flüchtet, um diese Last überhaupt aushalten zu können. Sehr leicht und fröhlich bleibt der Film trotz aller gravierenden Probleme, und gäbe es am Schluss nicht eine Art Erklärszene wäre er perfekt.

Tag_1 Was ist Freiheit?

 

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(c) ch.dériaz

Gleich der erste Film führt in einen der neuen Kinosäle, schön ist er, bequem, breite Armlehnen, das fängt gut an. Und „Sashishi deda“ von Ana Urushadze erweist sich als sehr gute Wahl den Tag zu beginnen. Eine Frau zwischen Alltag als Mutter, Haus-und Ehefrau und obsessiver Schriftstellerin. Getrieben wirkt sie, verhuscht, fahl, genau wie das Betongrau ihres Häuserblocks, oder das erloschene Blau der Tapeten, sie scheint nur für ihr Buch zu leben, ein Buch, das keiner ausser einem befreundeten Schreibwarenhändler bisher gelesen hat. Als sie den Text ihrer Familie vorzulesen beginnt, wendet sich das Verständnis für ihr Schreiben in Ablehnung, das Manuskript wird verbrannt, sie wird beschimpft, der billigen Pornographie bezichtigt, und flüchtet sich schliesslich in einen Raum im Lager der Schreibwarenhandlung. Das puffrote Ambiente des Raums kontrastiert mit der grauen Welt, die sich als Wirklichkeit ausgibt. Dass ihr Text mehr als künstlerische Überhöhung ihres Lebens ist, wird im Verlauf des Films immer deutlicher und findet sein furioses Ende in einem langen Monolog ihres Vaters, der den Text zunächst lobt und sich dann in einem Stakkato aus gekränkter Eitelkeit – kommt er doch nicht schillernd genug vor – bösen Vorwürfen, Anschuldigungen und Gemeinheiten in die Höhe schraubt. Ein Monolog, der die Tochter aus dem Grau entlässt, sie sichtlich wachsen lässt, und sie, je nach Perspektive, befreit oder zu der blutsaugenden Rächerin werden lässt, die die anderen in ihr sehen (wollen).

Der frühe Nachmittag gehört den Leoparden von Morgen. „Nikok nema“ von Jelena Gavrilović, ist sehr schön gedreht, aber die Geschichte ist nicht wirklich zu fassen, da hilft auch der Katalogtext nicht wirklich weiter, man bleibt ratlos, trotz der Bildkraft. „Habour“ von Stefanie Kolk, erzählt von zwei illegal arbeitenden Männern am Hafen von Rotterdam, ihre ruhige Arbeitsroutine wird gestört, als direkt vor ihnen im Wasser eine Leiche auftaucht, natürlich könne sie nicht einfach die Polizei rufen. Mit sehr wenigen Mitteln erzählt dieser Film sehr eindrücklich von prekären Lebenssituationen, und der damit verbunden Einsamkeit und Hilflosigkeit. Von einsamem Leben handelt auch „Vypusk ’97“ von Pavlo Ostrikov, die Geschichte eines Wiedersehen 2o Jahre nach dem Schulabschluss, fängt recht harmlos an, und mutiert zu einer sehr bösen Groteske. Sehr schön, sehr lustig, sehr gelungen. Mit feinem ethnologischem Blick und viel Rhythmus zeigt „Palenque“ von Sebastián Pinzón Silva das erste Dorf des amerikanischen Kontinents, das sich von der kolonialen Herrschaft unabhängig gemacht hat. Eine archaische, vom Rhythmus der afrikanischen Trommeln begleiteten Gemeinschaft, in der der Stolz auf die Freiheit hochgehalten und gelebt wird. Spannend und schön.

Die Warteschlange vor dem Fevi bewegt sich langsam und zäh vorwärts, aber am Ende findet doch jeder Platz um „Freiheit“ von Jan Speckenbach zu sehen. Eine Frau treibt frei aber auch irgendwie orientierungslos zunächst durch Wien, verschwindet fluchtartig von dort und landet in Bratislava. Zur selben Zeit versucht ein Mann in Berlin sein Leben und das seiner Kinder so normal wie möglich weiter zu leben. Zwei Welten, die früher zusammen gehörten, werden parallel erzählt, und Stück für Stückt entdeckt man, dass die Frau die Familie verlassen hat. Sie scheint zu suchen, nach der titelgebenden Freiheit, oder nach einem frischen Modell sich (aus) zu leben? Spannung entsteht aus den Gegensätzen der Welten, in Berlin der gutsituierte Anwalt, und in Bratislava das Zimmermädchen ohne Papiere, ohne Bindungen, und eigentlich fragt man sich gar nicht warum die Frau diesen Weg gewählt hat, man folgt ihr bereitwillig oder auch neugierig; Flucht in die Freiheit oder Auszeit? Doch dann liefert der Film in einer Rückblickszene die letzten Tage vor ihrem Verschwinden, und das ist dann schade, hätte man nicht zu wissen brauchen, trägt zu ihrer Entscheidungsfindung nicht wirklich bei, offener wäre es auch hier schöner gewesen.

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Nastassja Kinski (c) ch.dériaz

Auch in diesem Jahr werden diverse Ehren- und Sonderleoparden vergeben, die erste auf der Bühne der Piazza Grande: Nastassja Kinski. Hübsch, ein bisschen überdreht und strahlend schwebt sie auf die Bühne, küsst ihren Leoparden, und ist nach einer kurzen Ansprache auf Italienisch auch schon wieder weggeschwebt. Nach ihr kommt die wunderbare Fanny Ardant auf die Bühne, Hauptdarstellerin des Abendfilms „Lola Pater“ von Nadir Moknèche, auch von ihr einiges Sätze auf Italienisch, wer dieser Tage in Locarno gar kein Italienisch versteht ist geliefert.

Lola Pater“ erzählt von einem Sohn, der nach 25 Jahren seinen Vater erstmals wiedersieht, bloss dass sein Vater mittlerweile eine Frau ist, Komplikationen und Reibereien sind also vorprogrammiert. Ablehnung, Schock, Unverständnis, Erklärungen, die dann doch nicht standhalten, Streit, Suff und am Ende eine Form, die ein sinnvolles Miteinander möglich erscheinen lässt, alles wunderbar gespielt und schön ins Bild gesetzt, vielleicht in der Mitte etwas langatmig, aber durchaus unterhaltsam. Damit kann man beruhigt in die Nacht gehen. Freiheit ist eben immer auch die Freiheit der Andersdenkenden.

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Das war die 2. Diagonale – Bildgewaltig

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Volle Kinosäle zu allen Uhrzeiten, für alle Genres, für konventionelle wie auch für sehr spezielle, selbst sperrige Filme. Ist es die spezielle Stimmung bei einem Festival, oder die Tatsache, dass die Filme höchstens zweimal gezeigt werden? Was zieht so viele Menschen in die Kinos, und wieso müssen, ausserhalb von Festivals, Kinos schliessen? Und zeigen die Zuschauerzahlen bei Festivals nicht auch, dass mehr Mut zu mehr Vielfalt in der Filmauswahl durchaus Aussicht auf Erfolg haben kann?

 

 

 

 

Eine sonnige, fröhliche Diagonale geht zu Ende, die Intendanten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger, die man die gesamten Festivaltage hauptsächlich vorbeihuschen sieht, schlossen die Jubiläumsausgabe mit vielen Danksagungen und wurden unter stürmischem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Ein bisschen unruhig geriet die Preisverleihung dann, weil ständig Zuschauer ihre Plätze verliessen um dann mit Getränken von der Bar zurückzukommen.Musikalisch wurden die einzelnen Preiskategorien angekündigt, und die Preise, neben Geldpreisen auch die goldene Diagonale Muskatnuss, verliehen.

In diesem Jahr gab es keinen „grossen Abräumer“ , die Preise in 17 Kategorien verteilten sich relativ gleichmässig über die Filme.

Sehr zu Recht wird „Die Liebhaberin“ von Lukas Valenta Rinner mit dem Grossen Preis Spielfilm ausgezeichnet, der Film erhielt ebenfalls den Preis für Bestes Sounddesign Spielfilm (Nahuel Palenque) . Dieser Preis ist umso erfreulicher, da es sich um keinen einfachen oder gefälligen Spielfilm handelt, statt dessen wirft der Regisseur einen scharfen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse, und verpackt diesen in einen spannenden, schwarzhumorigen Film.

Allem Anschein nach hat Ivette Löckers Familienporträt „Was uns bindet“ viele Menschen und die Jury sehr bewegt; der Film ist handwerklich sauber und gut gemacht, er ist mutig insofern, dass er sehr private Einblicke in das Familienleben der Regisseurin gewährt, das alles führte zum Grossen Diagonale Preis Dokumentarfilm. Wen er wirklich berührt, bleibt, wie bei jedem Kunstwerk, Geschmackssache. Ein Teil des Preises, 2.000€ zur Filmdatensicherung, gestiftet von „Was uns bindet“ Produzent Ralph Wieser, wurde statt an sich selber, spontan an Bernhard Braunstein für den Film „Atelier de conversation“ weitergegeben; eine schöne Geste.

Die erfreulichsten und vermutlich auch unumstrittensten Entscheidungen sind die beiden Kamera Preise, an Wolfgang Thaler und Sebastian Thaler für „Ugly“ (Beste Bildgestaltung Spielfilm) und Attila Boa fürUNTITLED“ (Beste Bildgestaltung Dokumentarfilm). Wobei Wolfgang Thaler, wegen einer Knieverletzung, gar nicht gedreht hat, und somit der Film in Gänze von seinem Sohn Sebastian ins Bild gesetzt wurde, der Schönheit der Bilder hat das nicht geschadet. Attila Boa bedankte sich für die Möglichkeit, die ihm Dokumentarfilme bieten, nämlich nicht einen Protagonisten auszuwählen, um seine mehr oder weniger dramatische Geschichte zu bebildern, sondern Menschen die Freiheit zu geben ihre Geschichte zu erzählen, und das in Bildern einzufangen.

Die Preisträger Innovatives Kino Pferdebusen“ von Katrina Daschne, Bester KurzspielfilmMathias“ von Clara Stern und Bester Kurzdokumentarfilm
Spielfeld“ von Kristina Schranz, sehen in den kurzen Ausschnitten, die bei der Preisverleihung gezeigt wurden, sehr schön und spannend aus, passten aber leider nicht in mein Programm.

Der Schnittpreis an Ulrike Kofler, Monika Willi und Christoph Brunner für „Wilde Maus“ ist ein wenig schade, weil der Film, wenn auch recht lustig und wirklich gut gemacht, eher nicht durch aussergewöhnlichen Schnitt auffällt; ein Film wie „die Liebhaberin“, der sehr vom Rhythmus, und von der Auswahl ungewöhnlicher Perspektiven und Schnittfolgen lebt, hatte da mehr zu bieten. Beste künstlerische Montage Dokumentar ging an Christin Veith (auch Regie) und Cordula Thym für „Relativ Eigenständig“, leider nicht gesehen.

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Zum Ausklang noch mal Musik und Party, und bis zur Diagonale 2018.

 

 

 

Erst Sonntag bekanntgegeben: der diesjährige Publikumspreis geht an „Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger.

Alle Preise auf http://www.diagonale.at/festival/preise/