Staub auf unseren Herzen, Glück in unseren Augen

Staub auf unseren Herzen

Es gibt sie noch: Karten für diesen wunderbaren Film, für die heutige 17.00 Uhr Vorstellung von STAUB AUF UNSEREN HERZEN . Ohne Fördernmittel, ohne wirkliches Drehbuch, stattdessen auf das Treatment  basierte Drehtage, all das mit  zwei Fotokameras, ein dämliches Clowns-Plakat, vage Dogma-Politik. Hätte ich das vorher gewusst, ich wäre nicht reingegangen.  Aber das Ergebnis überraschend: großes, ganz großes Glück. Erinnerungen an den frühen Wenders (Alice in den Städten, aber ohne die Roadmovie-Komponente), Erinnerungen an Kino, wie ich mir oft Kino wünsche, vor allem den deutschen Film. Ohne die fast zwanghafte Bewegung zur Komödie (gerade erst exemplarisch frisch und schmerzvoll neu aufgelegt in 3 ZIMMER/ KÜCHE/ BAD), liegt doch im Ernst des Lebens, wenn man denn zu ihm steht, schon genug Groteske. Und ein Ensemble – vom Erwachsenen bis zum Kind – das es schon allein wert ist, diesen Film zu sehen. So wirklich (und scheiß auf authentisch)  habe ich selten eine Geschichte gespürt, erfahren – so intensiv wie ein halbes Jahr Gesprächtherapie, ein Wochenende Familienstellen. Und die (Foto-) Kamerführung? Dicht, nah, präzise, auch das: ein Glücksfall. Und dann ist da natürlich nicht zuletzt die Musik und Berlin und eine Geschichte, von der ich gar nicht erst erzählen will, weil die Erwartungshaltungen sonst einfach zu groß werden, selbst für diesen ganz und gar großen Film.

Axel Timo Purr

In der Glitzer-Glamour-Welt

Den ganzen Tag am Pool verbracht. Dabei über dies und das nachgedacht. Zum Beispiel über die Hitze, die sich über die Stadt gelegt hat. Und ob das jetzt gut oder schlecht fürs Filmfest ist. Während ich ins kühle Nass köpfe, erinnere ich mich an einen ebenso heißen Nachmittag, als mein Vater uns Kinder mit ins Kino im Olympiadorf nahm, um dort mit uns Truffauts FAHRENHEIT 451 zu sehen. Heiße Hitze, kühles Kino: Seitdem ist das eine zwingende Einheit für mich. Wie das wohl für andere ist? Auf jeden Fall muss die Hitze nicht schlecht sein für’s Filmfest. Besser vermutlich als ein schöner Maientag. Und ich, was mache ich überhaupt hier, im Wasser?

Ich beschließe, das Bad zu verlassen. Lieber im kühlen Kino sein, dem dunklen! Mein Weg führt mich über den Gasteig. Während meines Tages auf der Liegewiese hatte ich in den diversen Münchner Tageszeitung darüber gelesen, wie wichtig dieser Glamour ist, den die eingeflogenen Stars jetzt über München ausstrahlen. München leuchtet, nein, glitzert! Das will ich unbedingt sehen.

Am Gasteig aber ist alles wie immer. Also, nicht wie immer sonst, sondern wie immer zur Filmfestzeit. Roter Teppich im Eingangsbereich, dazu ausreichend Spotlight. Dann aber: Fotografen stürmen den Teppich, reihen sich auf zur Phalanx, ihre schweren Gerätschaften zückend. Iris Berben! Die Festivalleiterin kommt souverän auf sie zu, gibt ihr die Hand, lächelt mit ihr in die Kameras. Wenn sie nicht so groß wäre (und Schauspieler im allgemeinen sehr klein), könnte man anerkennend sagen: Diana Iljine befindet sich ganz und gar auf Augenhöhe mit den Stars. So aber schwebt sie auf ihren Plateauschuhen über den roten Teppich wie eine Außerirdische. Ich bin beeindruckt.

Dunja Bialas